„Erlebnis mit allen Sinnen genießen“

Vorbereitungen für Naturistenlauf sind im Gange - Interview mit Franz Dirscherl

 

Es ist bald wieder soweit. Am Samstag, 3. August, wird auf dem FKK-Campingplatz am Rosenfelder Strand im holsteinischen Grube der Internationale Naturistenlauf stattfinden. Es wird einer der Höhepunkte der FKK-Familienfreizeit „Mee(h)r erleben“ sein, die vom 26. Juli bis zum 4. August stattfinden wird. Zum vierten Male werden naturistisch gesinnte Sportlerinnen und Sportler als Läufer,Walker und Nordic-Walker die 5000 Meter-Strecke und die 10000 Meter – Strecke meistern. Franz Dirscherl ist der Organisator des Naturistenlaufs. Mit ihm sprach Christoph Müller.

 

CM: Was bedeutet Dir der Internationale Naturistenlauf ? Verändert sich beim Entwickeln Deines Projekts die Einstellung dazu ?

FD: Der Internationale Naturistenlauf ist Herausforderung und Verpflichtung gleichermaßen. Wie bei allen bedeutsamen Ereignissen steigert sich bei den Verantwortlichen die Anspannung, bis es dann soweit ist. Das kenne ich natürlich auch bei mir. Die letzten Tage,  Stunden und Minuten lassen den Druck im Kessel so richtig ansteigen. Ich denke, diese Situation kennen viele Menschen, die ihr Projekt mit einem guten Ergebnis krönen möchten. Vor allem ist diese gesteigerte Spannung jedoch ein Zeichen der eigenen Identifikation mit der zu organisierenden Veranstaltung.
Der Internationale Naturistenlauf ist inzwischen eine feste Größe im naturistischen Jahresgeschehen geworden. Da ist es selbstverständlich, dass die Erwartungen nicht bescheidener werden. Deshalb hat sich in der Zeit mein Blickwinkel sicherlich schon etwas verschoben. Anfangs waren meine Gedanken eher nur auf die grundlegenden Dinge ausgerichtet. Nun kann ich mein Augenmerk auch auf die begleitenden Themen richten. Trotzdem ist eines geblieben, der Anspruch, mit den gebotenen Möglichkeiten das Optimale zu erreichen.

CM: Welche Neuerungen wird der Internationale Naturistenlauf in diesem Jahr erleben ?

FD: Der Internationale Naturistenlauf wird seinen Aktionsradius ausdehnen. Ich freue mich, in diesem Jahr auch das zum FKK-Camping Ostsee angrenzende Feriendorf Augustenhof mit in den Lauf einbeziehen zu können. Die Streckenführung wird deshalb verändert. Aber keine Angst, unsere treuen Gäste dürfen den Lauf an ihren gewohnten Plätzen verfolgen. Vielleicht gelingt es uns mit der neuen Streckenwahl, Urlauber des Feriendorfes für den Lauf, aber vor allem für den Naturismus zu gewinnen.
Des weiteren soll der Start-Ziel-Bereich ansprechender gestaltet werden. Hierfür habe ich in den letzten Wochen viel Zeit mit den Designs von auf einander abgestimmten Bannern und Beachflags, aber auch mit der Suche nach Werbepartnern verbracht. Ich hoffe, der Zieleinlauf wird somit 2013 professioneller.
Aber auch das Wohl der Zuschauer muss uns ein Anliegen sein. Da dies zu organisieren nicht in meinen Händen liegt, habe ich diesen Wunsch bereits an die Verantwortlichen weiter geleitet. Ob es eine Verwirklichung gibt? Ich bin mal zuversichtlich.

CM:Gibt es weitere Ziele?

FD: Das aktuelle Ziel ist ein altes Ziel. Mit dem Internationalen Naturistenlauf wollen wir Naturisten die seltene Möglichkeit geben, sich in einer FKK-Sportveranstaltung zu messen. Bei uns gehen alle Teilnehmer nackt an den Start. Da gibt es keine Ausnahmen, sieht man von Laufschuhen oder Kopfbedeckungen einmal ab. Die Veranstaltung soll jeden ansprechen, der dabei sein möchte. Dazu gehören alle Alters- und Leistungsklassen. Der Naturistenlauf ist ein Breitensportangebot und  will dies auch in Zukunft  bleiben.
Es gibt aber auch noch ein weiteres Ziel, dass ich nicht aus dem Auge verlieren möchte. Der Internationale Naturistenlauf soll Botschafter des Naturismus sein. Die seriöse FKK-Bewegung muss sich deutlich von fragwürdigen Angeboten abgrenzen, muss immer wieder klarstellen, was FKK eigentlich bedeutet. Hierzu bietet der Lauf, wie auch das FKK-Familientreffen, eine gute Möglichkeit.

CM: Im vergangenen Jahr hat es Irritationen gegeben, da Bürgerinnen und Bürger von Grube von trainierenden Nackten zwischen den Äckern überrascht worden sind. Gibt es Maßnahmen, die Menschen in Holstein mitzunehmen ? Gibt es Ideen ?

FD: Dieses Geschehen wurde ja durch die örtliche Presse sogar mit den Worten "Nackt-Jogger schockieren Dorfbewohner" beschrieben. Natürlich hat diese Schlagzeile mit der Wirklichkeit wenig gemeinsam. Die Begegnung von Textilern und Naturisten ist erfahrungsgemäß von Freundlichkeit und gegenseitigem Respekt geprägt. Das war es auch in dem erwähnten Fall. Ich versuche es mal so zu erklären, wenn jemand auf dem Potsdamer Platz in Berlin nackt spazieren geht, dann werden die Menschen dies anders empfinden, als wenn eine Gruppe von Läufern unbekleidet im Umfeld eines FKK-Geländes oder FKK-Strandes ihre Runden dreht. Aber natürlich lässt sich daraus schon eine Schlagzeile machen, wie auch geschehen.
Dennoch ist die Frage berechtigt, wie wir in diesem Jahr damit umgehen werden. Es ist schwer, den richtigen Weg zu finden. Wir haben zwei Seiten im Auge zu behalten, das öffentliche Interesse und den Schutz unserer Teilnehmer. Wir müssen den Spagat schaffen, die Menschen in der Region zu erreichen und die Seriosität des Internationalen Naturistenlaufes klarzustellen. Wir müssen aber auch darauf achten, dass die Veranstaltung nicht zum Laufsteg wird. Ich denke, wir werden eine Lösung finden.

CM: Inwieweit drückt die Teilnahme am Internationalen Naturistenlauf für Dich persönlich eine naturistische Grundhaltung aus ?

FD:  Naturismus ist für mich wie für viele Menschen eine Lebenseinstellung. Hierfür bieten sich leider nicht nur Freiräume. Deshalb ist jede Möglichkeit sich nackt zu bewegen als Geschenk zu verstehen. Die meisten verbinden mit Naturismus nackt sonnen oder nackt zu baden. Was dabei als angenehm empfunden wird, muss beim Verlassen des Strandes nicht enden. Sich frei und unverhüllt zu bewegen, ist auch darüber hinaus ein schönes Gefühl.  Beim FKK-Familientreffen "Mee(h)r erleben" kann man sich davon überzeugen. Die Teilnahme am Internationalen Naturistenlauf  stellt dann nochmals eine Steigerung dar. Dies sage ich nun nicht als Organisator des Laufes, sondern als Teilnehmer. Ja, selbstverständlich lasse ich es mir nicht nehmen an den Start zu gehen, ich möchte dieses Erlebnis natürlich auch selbst mit allen Sinnen genießen. 

CM: Herzlichen Dank.

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